Rudolph Moshammer

ein Leben zwischen Glanz und Abgrund

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Vor Moshammers Laden legten Fans auch am Tag nach dessen Beisetzung noch zahlreiche  Blumen, Kerzen und Bilder nieder

 

Für die einen war er ein genialer Modeschöpfer, für die anderen der Inbegriff einer lebenden Comic-Figur. Seine Beisetzung am 22.Januar 2005 hatte die Ausmaße eines Staatsbegräbnisses, allein in der Münchner Maximilianstraße sollen ca. 10.000 Menschen am Straßenrand Abschied von ihrem "Mosi" genommen haben.

 

Der kometenhafte Aufstieg zum erfolgreichen Geschäftsmann und zur Galionsfigur der Münchner Schickimicki-Gesellschaft war Rudolph Moshammer jedoch nicht in die Wiege gelegt worden. Er wuchs in bürgerlichen Verhältnissen in München auf, sein Vater soll Direktor einer Versicherung gewesen sein. Nachdem er irgendwann seine Stelle verloren hatte, verfiel Vater Moshammer dem Alkohol, worauf ihn Frau und Kind verließen. Er verstarb schließlich total verarmt als Obdachloser.

 

Irgendwann in den 1960er Jahren begann Moshammer Mode zu entwerfen, im Jahr 1968 eröffnete er mit Hilfe potenter Geldgeber seine Boutique in der Münchner Maximilianstraße.

Er selbst hat später erzählt, dass seine erste Kreation bereits vorgefertigte preiswerte Bademäntel gewesen seien, auf die seine Mutter selbstkreierte Accessoires genäht hatte. Nicht zuletzt durch seine außerordentlich geschäftstüchtige Mutter begann in den 1970er Jahren der kometenhafte Aufstieg der kleinen Modeboutique. Zu seinem Kundenkreis gehörte schließlich der Muskelmann und spätere Politiker Arnold Schwarzenegger, der Startenor Josè Carreras, König Carl Gustav von Schweden sowie zahlreiche Ölscheichs.

 

In den 1980er Jahren wurde Moshammer immer mehr zum Mittelpunkt der Münchner Schickeria. Bei unzähligen Veranstaltungen tauchte der sich stets jovial gebende Moshammer mit seiner winzigen, lilahaarigen Mutter Else und seinem kleinen Händchen auf, z.b. bei den Salzburger Festspielen.

 

Alles schien immer so weiter zu gehen, bis eines Tages auch die allerletzten Auswirkungen der luxusfixierten 80er Jahre vorüber waren und Moshammers Mutter starb.

Jedenfalls schienen das Geschäft irgendwann nicht mehr ganz so gut zu gehen. Um das entstandene Umsatzdefizit zu kompensieren begann Moshammer schließlich damit, sich selbst und sein Hündchen Daisy zu vermarkten. Ein Teil der exquisiten Mode in den Schaufenstern musste Platz machen für Mosi-Bücher, Mosi-CDs und andere Mosi-Devotionalien, irgendwann gesellten sich dann auch noch Daisy-Objekte aller Art dazu.

 

Die kleine dauerzüngelnde Yorkshire-Hündin, die ihr Fressen stets in einem silbernen Schälchen serviert bekam und zur Schonung ihrer Pfötchen in einer Designer-Handtasche spazieren getragen wurde, avancierte immer mehr zum Marken-Zeichen Moshammers, der als Modeschöpfer oder Modezar firmierte, obwohl er nie eine Schneiderlehre absolviert hatte.

Sogar Autogramm-Karten ließ Moshammer für seine geliebte Hündin anfertigen.

 

Mehr und mehr wurde Moshammer mit seiner grotesk anmutenden kohlrabenschwarzen Perücke, die wohl an Ludwig II. erinnern sollte, zur selbstkreierten Kunstfigur. Aus Moshammer war längst Mosi geworden. Schon lange hatten sich auch Rundfunk und Fernsehen seiner bemächtigt, und es gab Zeiten, da konnte man den Fernseher anschalten wann immer man wollte, stets schienen dem hilflosen Zuschauer Mosi und Daisy entgegenzuquellen.

 

 

 

Moshammers Boutique am Tag nach seiner Beisetzung

 

Ich selbst habe Moshammer das erste Mal persönlich gesehen, als ich in einem Münchner Kaufhaus reinzufällig zur Präsentation seines neuen Kochbuchs "Elegant kochen ohne Schnickschnack" stieß. Zum Titel dieses Buches bemerkte übrigens damals der Kritiker der SZ süffisant, dass die Wahl desselben verwundere, wo doch gerade Moshammers zweiter Vorname Schnickschnack sei.

 

Moshammer persönlich zu sehen, war in jedem Fall ein außerordentlich kurioses Erlebnis.

Man ist ja durchaus daran gewöhnt, im Fernsehen exzentrische Menschen zu sehen, im täglichen Leben ist das dann schon etwas anderes.

Er wirkte auf mich wie ein soeben vom Himmel herabgefahrener Außerirdischer.

Für einen Mann war er ungewöhnlich stark gepudert und geschminkt, was ihm ein sehr maskenhaftes Aussehen verlieh, dann diese extrem akkurat frisierte Perücke mit den beiden charakteristischen Strähnen auf der Stirn. Seltsamer Weise fanden sich auf seinen Schultern trotzdem Schuppen - wie auch der Journalist der SZ feststellte. Ich stand damals ganz nah seitlich neben Mosi, und meinte bei ihm leichte Spuren eines Face-Liftings erkennen zu können. All dies machte eine zuverlässige Alterschätzung völlig unmöglich, was ja wohl sicherlich Absicht war. Allerdings schätzte ich ihn damals schon auf Mitte Fünfzig und lag wohl nicht so ganz falsch damit.

 

In erster Linie hatten sich Damen zur Signierstunde eingefunden. Denn vor allem die Damenwelt stand ja auf den durchaus charmanten Moshammer, der selbst eigentlich mehr dem eigenen Geschlecht zugetan war.

Mosi ließ sich nicht lumpen, und signierte jedem zusätzlich zum neuen Buch ein 13x18cm-Hochglanzfoto. Bereitwillig ging er auf jeden Autogrammwunsch ein: "Haaach wissen Sie, sagte er dann freundlich," mir ist es ja gaaaanz egaaal, wo ich unterschreibe!" Man hätte ihm damals eigentlich einen Blankoscheck unterschieben sollen...

 

Es moshammerte allüberall. Mosi wurde Filmstar, spielte Theater, bewarb sich als Sänger für den Grand Prix ("Moos hamma"), führte mit einem Starlett per Kamera wochenlang übers Oktoberfest und...und...und...

Immer mehr Stadtrundfahrten schlossen die Fahrt zu Moshammers Boutique ein. Die Busse hielten dann direkt vor dem Laden und der Fahrer säuselte dann im Stil eines Safari-Leiters erwartungsvoll in sein Mikro: "Wenn wir Glück haben, dann sehen wir heute den Meister persönlich in seinem Laden." "Rein zufällig" trat dann jedes Mal der stets geschniegelte Boutiquen-Inhaber vor seinen Laden und ließ sich wie ein König von den Touristen begrüßen.

 

Bei all dem Glamour hat Moshammer nie vergessen, dass sein Vater als Obdachloser gestorben war. Deshalb engagierte er sich sehr für Menschen ohne festen Wohnsitz.

Er unterstützte die Münchner Obdachlosenzeitung "Biss" und bedachte die Obdachlosen seiner Heimatstadt zu Weihnachten mit Lebensmitteln und Geschenken, die er selbst unter den Brücken vorbeibrachte - auch das war Moshammer.

 

Das alles hätte wiederum immer so weitergehen können, allerdings liess irgendwann die Popularität Mosis deutlich nach. Immer öfter blieb sein Laden leer. Das heißt, ganz leer war der nie, denn sein Inhaber war immer dort. Allerdings nicht aus blankem Pflichtbewusstsein, sondern weil die Marke "Moshammer" ohne die Dauerpräsenz Moshammers nicht funktioniert hätte.

 

Mosis Promi-Status begann zu bröckeln, selbst bitten und betteln bei Rundfunk- und Fernsehstationen brachte nichts mehr - es gab keine Auftritte mehr für ihn.

Irendwann häuften sich Morddrohungen, und ich selbst habe einmal gesehen, wie Moshammer, umringt von vier Bodyguards in seinem Laden stand.

 

Schließlich erkrankte er an Krebs und wurde als Ölscheich maskiert unerkannt ins Krankenhaus gebracht. Man brachte ihn wieder auf die Beine, und schon bald stand er wieder in seinem Laden. Am 13.01.2005 habe ich ihn dort zum letzten Mal gesehen. Er stand mutterseelenallein hinter seinem Ladentisch und zupfte dort nervös an irgendwelchen Schubladen herum. Niemand wusste, dass Moshammer Stunden später tot sein würde. Ein Strichjunge, der sich um seinen Liebeslohn betrogen sah, legte ihm ein Kabel um den Hals und zog so lange zu, bis sich sein Freier nicht mehr rührte.

 

Bei Moshammers Beerdigung war von all den vielen Leuten, die sich zu seinen Lebzeiten so gerne mit ihm geschmückt hatten, kaum mehr jemand anwesend.

Zu den wenigen Prominenten Traugergästen gehörten neben Ottfried Fischer und Roberto Blanco die Jacob-Sisters, die den todkranken Showmaster Rudi Carrell später zu dem Ausspruch animierten, er habe keine Angst vor dem Sterben, nur davor, dass bei seiner Beerdigung die Jacob-Sisters mit ihren "komischen Pudeln" aufkreuzen könnten.

 

Von Rudolph Moshammers Laden ist nichts geblieben, die Firma wurde kurz nach seinem Tod aufgelöst, die gesamte Ware wurde restlos in einem bekannten Internetauktionshaus versteigert. Der Erlös ging, ebenso wie der des restlichen Nachlasses, an die Obdachlosen Münchens.

Lediglich das gewaltige Moshammer-Mausoleum auf dem Münchner Ostfriedhof existiert noch heute.

 

 

 

Das Moshammer-Mausoleum auf dem Münchner Ostfriedhof am Tag nach der Beisetzung

 

 

 

 

 

Alle 3 Bilder stammen aus meinem Privat-Archiv

 

 

 

 


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